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Deutschunterricht. Eine Mitschülerin meldet sich, analysiert lang und breit, was es bedeutet, dass in der letzten Strophe des Gedichts ein Punkt fehlt.

Ne. Das hat nix mit Sonne und Hölle zu tun. Den hat die Lehrerin einfach nur vergessen reinzukopieren.

(1/2)

Bitte. (Fast) niemand braucht Jambus(se?) und Laub, dass für die Liebe steht.

Wir haben fast 2022.

Aber weil man sich vor 30 Jahren mal dachte: Hey, ein Jahr Faust zu lesen und jedes Wort zu analysieren macht voll Sinn, ist immer noch keine Zeit für

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@upgradetofreedom

Da fehlt n Punkt. Hier, nimm den: "."

*duck &wegrenn*

@upgradetofreedom #Goethe war durchaus #Luddit. Nicht nur metaphorisch, wie im Zauberlehrling, sondern ganz explizit wie zB hier in Wilhelm Meisters Wanderjahre: "Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen."

Die Frage, ob diese Art von #Literatur als Bildungsparadigma heute noch taugt, stellt sich aber gerade erst durch eine kritische Analyse.

@upgradetofreedom unterschätze nicht den Wert von Gedichten und der Beschäftigung damit, für die kreative Entwicklung des Gehirns...

Digitalisierung ist doch was ganz anderes als "irgendwas mit Computer zu machen"...

Und gerade was beim Buzzword "Digitalisierung" heute total verloren geht ist das Stichwort Kompetenz. Medienkompetenz, Quellenprüfung, Abschätzung, Plausibilitätsprüfung...

Da hilft dir Digitalisierung gar nix, wenn du hierbei ein Hirsch bist, bleibst du einer. Nur eben ein Hirsch dann vor dem Computer.

Ich kann das Buzzword Digitalisierung schon gar nicht mehr hören... zuviel Idiotie rankt sich darum. Digitalisierung ist wie die Wundertechnologie, die uns vor der Klimakatastrophe schützen soll... das wird nicht passieren. Kinder die nicht mehr spielen dürfen, weil Spiel keinen Nutzen hätte, Kinder die für alles auf Glasplatten wischen verlieren Gefühl für Haptik und damit erfahren sie eine Degeneration ihrer Hirnstrukturen...

Sie sie dir doch an, die "digitalen Zombies"...

Lasst Kinder nicht nur Gedichte lernen... nein, lasst Kinder Gedichte schreiben. Jamben, Trochäen... und beobachtet sie, wie sie aufblühen... (und nebenbei auch "digitale Kompetenzen" miterlernen)

@jakob
Mit Digitaler Bildung meine ich nicht die planlose Digitalisierung von Prozessen. Nein - ich meine den ECHTEN Aufbau von Kompetenzen im Umgang mit Digitalítät.

Ich habe nichts dagegen mal ein Gedicht zu schreiben, ja ich befürworte sogar ganz sicher z.B. Kunst- und Musikunterricht. Kreativität kommt in der Schule jetzt schon viel zu kurz. ABER: wenn ich am Ende meiner Schullaufbahn zwar Gedichte in 3 Sprachen analysieren kann aber eben nix anderes bringt mir das nichts...

@upgradetofreedom
Was ist das "es bringt mir etwas" genau?

Du hast doch überhaupt keine Ahnung, was die von dem was du lernst, dir in 5 Minuten, 15 oder 60 Jahren "etwas bringt".

Und wenn du auf einer Reise dereinst eine Frau kennenlernst (oder einen Mann...), den du mit der Fähigkeit Gedichte in 3 Sprachen analysieren zu können, so verzückst, dass die sich Hals über Kopf in dich verliebt, und dein Leben eine Wendung nimmt, die du dir in deinen süßesten Träumen nicht hättest ausmalen können... dann merkst du erst, dass "Digitale Kompetenz" nix anderes ist, als sein Leben mit anderen Werkzeugen zu bestreiten...

Und wenn mal über Tage der Strom ausfällt (und glaub mir, das wird er), dann wärst du sehr froh, doch ein paar mehr Gedichte auswändig zu kennen... allein um die Zeit lustvoll überbrücken zu können um nicht verrückt zu werden...

@jakob
Schule muss Grundfähigkeiten lehren. Ich kritisiere nicht das Behandeln von Gedichten - sondern die Menge und die damit verschwendete Zeit. Die meisten Menschen dürften auch lesen und schreiben "später" eher brauchen als "Gedichte analysieren".

Die zweite Argumentationslinie halte ich für grundlegend falsch. Digitalisierung stellt nicht nur neue Werkzeuge bereit. Es erschafft eine völlig neue (digitale) Welt für die es Kompetenzen braucht um sich in ihr zurechtzufinden.

@upgradetofreedom
Darf ich fragen, wie alt du bist?

Du sprichst von Schulerlebnissen... ich gehe davon aus, du bist jünger als Google.
Du bist wohl jünger als Xmpp. Möglicherweise bist du jünger als Facebook...

Ja, du hast brav gelernt, was man sich so über Digitalisierung erzählt...

Aber stell dir vor, ich bin älter als Google. Ich kenne das Internet ohne Google... ich kenne sogar noch die Welt ganz ohne Internet oder Mobiltelefonen... (ok... Autotelefon sagten wir damals dazu)... und ich bin nicht so viel älter als du.

Digitalisierung... das eine sind andere Werkzeuge für den Alltag, das andere sind "bessere" Computerspiele... realitätsähnlichere...

mehr aber nicht.

Der Impact ist allerdings riesengroß...

BTW... was ist denn für dich überhaupt "Das Internet"?
Definiers mir einmal...
Was ist "Digital"?
Und wie soll jemand "schreiben", wenn er sich nicht spielerisch mit Sprache auseinandergesetzt hat?

Werdet ihr an den Schulen heute wirklich so klein gehalten, dass ihr den Wert der spielerischen Vertiefung mit einem Thema überhaupt nicht mehr erkennen und schätzen lernt?

@jakob
Ich habe zwar jetzt auch nicht nicht so extrem viel Lebenserfahrung, aber in den zehn Jahren seit meinem Abi hatte ich mit einem Großteil des speziell im Deutschunterricht gelernten nichts zu tun.
Ich finde auch, dass man für einen gemeinbildenden Abschluss mal ein Gedicht analysiert haben sollte. Aber eben nicht so viel Zeit für so ein Nischenthema
@upgradetofreedom

@jakob @upgradetofreedom
...verwenden sollte.
Unterricht, in dem die allgemeine Nutzung von PCs gelehrt wird, würde den allermeisten Schülern mehr bringen. Also nicht die Produktschulung für MS die ich damals bekommen hab.

@JuleLe @upgradetofreedom

Du hast so null Idee von dem, was ich dir schrieb... Anlasslosses, scheinbar sinn/nutzloses Spiel... ja, bis ins Erwachsenenalter hinein zu lernen, ist etwas für die Hirnentwicklung und Kreativität extrem wichtiges.

Aber offenbar hat unsere Leistungsgesellschaft die jungrn Generationen schon do derartig versaut, dass nicht einmal mehr jungen Menschen der Wert und das Bedürfnis danach bewusst ist...
@upgradetofreedom
BTW... vor 30 Jahren hab ich schon 2 Jahre meine Pflichtschule abgeschlossen gehabt...

und ich verrate dir was... die Idee, dass man Schülern Goethe auswändig lernen ließ, war damals schon ein alter Hut... Ich verstand ihn als Schüler auch nicht... so wie viele in der Schule nicht wussten, wozu sie jemals wieder Statistik oder gar Exponentialfunktionen brauchen werden... wozu all den Krempel lernen in der Schule...
Heute grhrn all diese, die das Wissen nie erwerben wollten auf Demos gegen Coronamaßnahmen... hätten sie doch bloß besser in der Schule aufgepasst...

@jakob
Ich habe nichts dagegen Kultur kennenzulernen. Goethe gehört da dazu. (Ob man es deswegen auslernen muss ist eine andere Frage). Klar lernt man nicht alles gerne und es kann passieren das man denkt man wird etwas nie brauchen - irrt sich dann aber. Aber das begründet nicht, dass im Unterricht unnützes Wissen vermittelt wird. Wort-Ton-Analyse z.B. (wenn die Noten runter gehen steht das für den fallenden Schnee...) ist für die*den durchschnittlichen Schüler*in einfach nicht relevant.

@upgradetofreedom
Unnützes Wissen ist das schönste und süßeste Wissen überhaupt.
Ich ziehe die meiste Befriedigung in mrinem Lebrn aus unnützem Wissen... plan- und ziellos herumphilosophieren und dabei Erkenntnisse zu gewinnen ist eine unheimlich lustvolle und befriedigende Beschäftigung...

Und erst im Nachhinein stellst du fest, dass vieles von dem Wissen, dass du früher für unnütz gehalten hast, alles andere als dieses ist...

Und wie willst du mit dem Schäufelchen an Lebenserfahrung im Schüleralter überhaupt beurteilen können wollen, welches Wissen "nütz" oder "unnütz" ist?

Dass musst du mir bitte verraten.

@upgradetofreedom Übrigens, eine Leseempfehlung, die in diesem Zusammenhang passt (und dir gefallen könnte): Der Barockzyklus von Neal #Stephenson.

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